Elternbrief von Frau Dr. Stefanie Hubig

15.04.2020

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Eltern,

unsere Schulen und Kitas sind nun schon in der vierten Woche geschlossen und die
beginnenden Osterfeiertage und Osterferien sind wohl die seltsamsten, die wir alle je
erlebt haben. Der lange geplante Urlaub, der alljährliche Besuch bei den Großeltern
am Ostersonntag, ein Ausflug mit befreundeten Familien ins Grüne – all das ist dieses
Jahr nicht möglich. Das Fest und die Ferien, sie werden uns wieder vor neue Herausforderungen stellen und uns wieder Neues abverlangen, wie so viele Tage in den vergangenen vier Wochen uns und vor allem Ihnen als Eltern vieles Neue abverlangt haben.

Sie waren neben allem, was diese Ausnahmesituation ohnehin von Ihnen verlangt und
womit sie Sie belastet, auch in noch viel höherem Maße als je zuvor als Lernbegleiterinnen
und Lernbegleiter Ihrer Kinder gefragt. Während existenzielle Fragen, die
Sorge um Angehörige, um die Arbeitsstelle oder die Organisation des Familienalltags
Sie in Anspruch nehmen, kommen dann auch noch viele kleine und große Arbeitspakete
ins Haus, die ausgedruckt oder eingescannt, abgeholt oder weggebracht werden
mussten. Und natürlich mussten sie zuvor bearbeitet werden, wofür Ihre Kinder Motivation,
Begleitung und Unterstützung brauchten.

Ich möchte Ihnen dafür ganz herzlich
danken. Was Sie als Eltern in dieser besonders für Familien so schwierigen Zeit leisten,
verdient die größte Anerkennung und Wertschätzung unserer Gesellschaft.

Beschäftigung und Betreuung in den Osterferien


So ungewöhnlich die Feiertage und die Ferien nun wohl auch werden und so sehr uns
die Sorgen rund um diese Krise auch weiter begleiten, so sind die kommenden Tage,
so hoffe ich, für Sie und Ihre Kinder vor allem doch auch eines: eine Zeit zum Innehalten
und zum Durchatmen, in der Sie sich im Rahmen der Möglichkeiten den Dingen
widmen können, die Ihnen Freude bereiten. Für die Schülerinnen und Schüler soll es
über die Osterzeit und die Ferien keine Aufgaben geben, sodass auch Sie als Eltern
von einigem organisatorischen Aufwand entlastet werden. Ich wünsche Ihnen, dass
jetzt die ganze Familie ein wenig zur Ruhe kommen kann.

Und ich bitte Sie: Auch, wenn es beim Blick auf die Wettervorhersage in diesen Tagen
besonders schwerfällt: Bleiben Sie zu Hause! Es ist entscheidend, dass wir alle die
Kontaktregeln weiter einhalten, damit wir die die Ausbreitung des Virus weiter verlangsamen.
Wir dürfen in unserem Bemühen nicht nachlassen. Nur so schaffen wir es, die
Krise schnellstmöglich zu meistern und die zu schützen, die diesen Schutz besonders
nötig haben.

Das Pädagogische Landesinstitut hat einige Tipps für Familien zum Zusammenleben
in Zeiten der Sozialen Distanzierung zusammengetragen, die über den Umgang mit
dem häuslichen Lernen hinausgehen (https://schuleonline.bildung-rp.de/unterstuetzung-
fuer-eltern-und-schueler.html). Sie wurden in der vergangenen Woche an die Elternvertretungen
verschickt. Ich hoffe, Sie finden dort die eine oder andere hilfreiche
Anregung.

Für Eltern, die auch in den Osterferien weiterhin zwingend auf eine Betreuung ihrer
Kinder in Schule oder Kita angewiesen sind, weil sie an ihrem Arbeitsplatz gebraucht
werden, haben wir sichergestellt, dass die bewährte Notbetreuung auch in der Ferienzeit
fortgesetzt wird. Ich bin sehr froh, dass unsere Erzieherinnen und Erzieher in den
Kitas und die Lehrkräfte und pädagogischen Fachkräfte an den Schulen dieses Angebot
durch Ihren Einsatz ermöglichen.

Wie geht es weiter?


Ich weiß natürlich, dass Sie alle eine Frage ganz besonders beschäftigt: Wie geht es
nach den Ferien weiter?

Sie wünschen sich Informationen darüber, wann die Kitas geöffnet werden und wann
der reguläre Schulbetrieb wieder beginnen kann. Ich kann Ihnen versichern: wir alle
wünschen uns den normalen Alltag zurück.

Aber wahr ist auch, dass niemand zurzeit
verlässlich sagen kann, wann das sein wird und wie der Weg dorthin aussehen kann.
Denn über allem steht der Gesundheitsschutz. Erst wenn die Gesundheitsexpertinnen
und -experten grünes Licht geben, können wir guten Gewissens die Schulen wieder
öffnen.

Am Mittwoch nach Ostern beraten die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidentinnen
und Ministerpräsidenten der Länder darüber, wie Öffnungsszenarien für die
geltenden Beschränkungen aussehen können und ab wann sie möglich sind. In der
Kultusministerkonferenz, deren Vorsitzende ich in diesem Jahr bin, berate ich ständig
mit meinen Kolleginnen und Kollegen der anderen Bundesländer, wie es an den Schulen
weitegehen kann, denn mir ist wichtig, dass wir bundesweit möglichst einheitliche
Entscheidungen treffen. Ich werde die Schulen, die Kindertagesstätten und selbstverständlich. Sie als Eltern schnellstmöglich darüber informieren.

Das größte Augenmerk richten wir bei allen Erwägungen für die Zukunft auf die Gesundheit
der Kinder und Jugendlichen, der Erzieherinnen und Erzieher, der Lehrkräfte
und natürlich auch auf die Gesundheit der Familienmitglieder. Wir erarbeiten deshalb
gemeinsam mit unseren Gesundheitsexpertinnen und -experten organisatorische
Maßnahmen und werden allen Einrichtungen rechtzeitig die notwendigen Hygienehinweise
geben. Und auch Personen mit besonderem Risiko haben wir dabei im Blick,
unabhängig davon, ob sie direkt oder indirekt betroffen sind.
An verschiedenen Fragen, die für die Zeit nach der Schulschließung zu klären sind,
haben das Bildungsministerium, die Schulaufsicht, das Pädagogische Landesinstitut
und das für die Kitas zuständige Landesamt für Jugend, Soziales und Versorgung bereits
gearbeitet und zusätzlich arbeiten wir ständig weiter daran.

Rahmenbedingungen für einen Wiedereinstieg


Als erstes Ergebnis haben wir Ende der vergangenen Woche die Schulen über einige
der wichtigsten Fragen, die die Lehrerinnen und Lehrer ebenso umtreiben wie Sie als
Eltern, informiert: den Umgang mit Leistungsnachweisen, die Erstellung von Zeugnissen
und die Versetzungen. Wir setzen dabei alles daran, dass keiner Schülerin und
keinem Schüler aus der aktuellen Situation ein Nachteil entsteht.

Deshalb haben wir auch die Benotung in der Zeit der Schulschließungen – wie viele
andere Bundesländer auch - sehr weitgehend ausgesetzt. Denn dabei stellen sich zu
allererst Fragen nach der Chancengerechtigkeit: Haben alle die gleichen technischen
Voraussetzungen zuhause? Es stellt sich aber auch die Frage: Wie kann eine Schule
sicherstellen, dass Leistungen zuhause auch wirklich selbst von der Schülerin, dem
Schüler erbracht wurden und nicht von der großen Schwester oder dem Vater? Wichtig
ist mir aber auch, dass die Schülerinnen und Schüler nicht sofort nach der Öffnung
der Schulen wieder mit ungebremstem Leistungsdruck einsteigen müssen, sondern
sie die Gelegenheit haben, im Klassenverbund die besondere Situation zu verarbeiten,
aber auch Fragen zu stellen und Inhalte nachzuholen und zu vertiefen. Wo es
nötig und möglich ist, können die Schulen daher auf die üblicherweise vorgeschriebene
Anzahl von Leistungsbewertungen verzichten. Auch zu den Versetzungen haben
wir Regelungen getroffen, die der außergewöhnlichen Situation der Schulschließung
Rechnung tragen. Die Schulen werden Sie über die getroffenen Regelungen informieren.

Liebe Eltern,

bei allen Planungen für die Zukunft hoffe und vertraue ich auf Ihre Bereitschaft, in
Ihrem Engagement nicht nachzulassen und mit uns gemeinsam diese Krise zu meistern.
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie weiterhin alles Gute, erholsame Ferien und eine
schöne Osterzeit!
Ihre
Dr. Stefanie Hubig